Die Tür zum Petersdom – Bazzecole #7

Wer schon einmal in Rom war und den Petersdom besichtigt hat, stand sicher auch schon beeindruckt vor den gewaltigen Portalen, die in die Kirche führen. Es sind insgesamt fünf monumentale zweiflügelige Bronzetore, alle über sechs Meter hoch und knapp zwei Meter breit. Vier von Ihnen stammen aus dem 20. Jahrhundert, eines jedoch ist deutlich älter. Es wurde zwischen 1433 oder 1439 und 1445 von dem Florentiner Bildhauer und Architekten Antonio Avelino, genannt Filarete und seiner Werkstatt geschaffen.

Dargestellt sind auf dem Portal oben der thronende Christus (Christus Pantokrator) und Maria, daneben die Apostel Petrus und Paulus. Paulus ist, wie gewohnt, mit Buch und Schwert, Petrus auch mit einem Buch und den Himmelsschlüsseln abgebildet, die er Papst Eugen VI, dem Auftraggeber des Portals, übergibt.

Darunter befinden sich das Petrus- und das Paulusmartyrium. In einer Abfolge von Szenen werden die Ereignisse von der Verurteilung, Verhaftung und Hinrichtung der beiden erzählt. Auf dem Petrusmartyrium kann man die Cestius Pyramide erkennen, an ihr lehnt eine weibliche Figur, die die Aufschrift ROMA trägt und die Stadt Rom symbolisiert.

Interessant ist auch der mit Blumen ausgeschmückte umlaufende Fries, der Szenen aus der griechischen Mythologie, aus den Fabeln des Aesop und aus der griechischen Geschichte, darstellt. Eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Darstellung eines Kirchenportals, die später auch immer wieder kritisiert wurde.

Ein wirklich spannendes Detail befindet sich allerdings auf der Innenseite des Portals, und da es nur zu besonderen Anlässen geöffnet wird, müssen wir durch ein anderes Tor in den Dom gehen. Ganz unter auf dem linken Türflügel findet ihr eine besondere Signatur, auf dem Meister Filarete (das ist der mit dem Zirkel) alle Beteiligten bei einem fröhlichen Essen zur Feier der Fertigstellung vorstellt.

Auf der linken Seite sitzt ein Mann mit Namen PATRVTIVS auf einem Esel. Am Sattel seht ihr einen Weinschlauch und in der rechten Hand hält er einen Weinkrug. Die tanzenden Männer heißen AGNOLVS – IACOBVS – IANNELLVS – PASSQUINVS – IOHANNES – VARRVS  und FLORENIE und sind ANTONIVS ET DISCIPVLI MEI (= Antonius und meine Schüler). Aus Filaretes Mund kommen folgende Worte: CETERIS OPERE PRETIVM PASTVS FVMUS VE MINI HILARITAS. [Ungefähr: Mit dem Lohn für dieses Werk hatten wir ein Essen und Fröhlichkeit.] Ein Panflötenspieler Namens PIO VI (Pius VI) sitzt auf einem Dromedar, das DROMEDARIUS heißt, und unter dem Esel steht der rätselhafte Vermerk: APO CI.

Ihr werden in die Knie gehen müssen, um es euch anzuschauen. Dafür bekommt Ihr dann quasi einen Filmabspann aus dem 15. Jahrhundert.

Via XX Settembre – Bazzecole #6

Straßennamen können viel über eine Stadt oder ein Land aussagen. Wer sich die Mühe macht, einmal diverse Datenbanken oder einfach Google Maps nach den italienischen Monatsnamen zu durchsuchen, wird auf 20 Tage im Jahr stoßen, die in unterschiedlichen Regionen Italiens als Straßennamen dienen. Was hat es mit diesen Tagen oder Daten auf sich? Wir haben für die Straßen Roms einmal etwas recherchiert:

Das früheste Datum im Jahr, das als Straße auftaucht, ist der 21. April. Es ist ein mystisches Datum, nämlich der Tag, an dem die Stadt Rom angeblich im Jahr 753 die Welt erblickt hat: Romulus und Remus gründeten Rom. Viele Jahrhunderte wurde der Kalender Roms nach diesem Datum ausgerichtet. Man zählte die Jahre nach Gründung der Stadt „ab urbe condita“.  Die Via XXI Aprile ist eine große Straße, die in die Nomentana, direkt hinter der deutschen Akademie, in der Villa Massimo verläuft.

Die nächste Straße im Jahreslauf ist dem 30. April gewidmet. Sie liegt in Trastevere und erinnert an den Tag der letzten Schlacht des zweiten Weltkriegs auf italienischem Boden.

Via XX Settembre – Roma

Der 20. September erinnert an die „Presa di Roma“, ein wichtiges Datum während der italienischen Befreiungskriege. Am 20. September 1870 wurde Rom eingenommen – unter rein symbolischem Widerstand und anschließender Kapitulation der päpstlichen Armee. Die Straße „Viale XX Settembre“ liegt im Herzen Roms und führt hinter dem Quirinal zur Via Nomentana.

Direkt neben der Piazza Venezia findet man die Viale IV Novembre. Der 4. November erinnert an die Schlacht bei Vittorio Veneto gegen Ende des Ersten Weltkrieges vom 24. Oktober 1918 bis zum 3. bzw. 4. November 1918.  Sie führte zum Waffenstillstand von Villa Giusti bei Padua und zur Niederlage Österreich-Ungarns im Krieg gegen Italien.

Sollten euch während eures Besuches weitere Straßen mit einem Datum als Namen auffallen, lasst es mich wissen (thomas @ mediathoughts.net). Vielleicht findet ihr ja sogar heraus, worum es sich bei dem Datum dreht.

Pilgern / Titularkirchen – Bazzecole #4

 Eigentlich wollte ich ja endlich ein Bazzecole zum Thema Eis in Rom schreiben, aber bei dem Wetter … verschieben wir das lieber noch ein wenig. Ich möchte zunächst eine Frage aufgreifen, die mich diese Woche erreichte: warum ich denn nicht mehr über die Kirchen in Rom schriebe, wenn dies doch ein Führer für junge Pilger sei, fragte mich ein Leser. Nach Rom pilgern … wenn ich mit Jugendlichen darüber spreche, steht immer unausgesprochen die Frage „Das meinst du doch nicht etwa ernst?“ im Raum. Es gibt viele Gründe, nach Rom zu fahren. Atmosphäre, Altertümer, Geschichte, Glauben, Literatur, Musik … von Kneipen, Bars, Clubs und netten Leuten ganz zu schweigen.

Pilgern ist kein schlechter Grund. Ich wollte immer einmal zu Fuß nach Rom pilgern, um Italien einmal hautnaher zu erfahren, als das beim Reisen mit Bahn, Auto oder gar Flugzeug möglich ist. Geschafft habe ich es bis heute nicht. Und doch ist jede meiner vielen Reisen nach Rom immer auch ein wenig Pilgerfahrt, egal warum und wie ich reise, egal wen ich besuche, in welche Kirche ich gehe. Pilgern hängt auch mit dem zusammen, was im Pilger, in der Pilgerin vorgeht. Eigentlich mehr als mit allem anderen. Man pilgert nicht einfach irgendwo hin, man ist vor allem auf dem Weg zu sich selbst.

Unser Führer richtet sich an alle Jugendgruppen, die nach Rom reisen, egal aus welchen Gründen. Die Kirche spielt in Rom eine große Rolle, aber eben auch nur eine unter vielen. Trotzdem möchte ich euch heute auf eine kleine Besonderheit aufmerksam machen. Wenn ihr mit offenen Augen durch Rom lauft, werdet ihr an vielen Kirche Wappen entdecken. Diese verweisen meist auf den Papst oder einen Kardinal. Was sind die Gründe dafür?

Das Papstwappen prangt natürlich an den großen päpstlichen Basiliken in Rom. Neben dem Petersdom sind es Santa Maria Maggiore, San Giovanni in Laterano, San Paolo fuori le Mure und San Lorenzo. Sie sind von Alters her mit einem Papstthron und einem Papstaltar ausgestattet, an dem nur der jeweilige Papst zelebrieren darf.

Was hat es aber mit all den Kirchen mit einem Kardinalswappen auf sich? Jeder Kardinal hat eine sogenannte Titelkirche in Rom, zurzeit gibt es 164 davon. Zum einen soll damit die Verbundenheit dieser kirchlichen Führungskräfte mit Rom zum Ausdruck gebracht werden, zum anderen hatte es vor allem im Mittelalter und der frühen Neuzeit auch ganz praktische Gründe. Rom war nämlich nicht immer so groß wie heute und die Kirchen auch nicht immer so wohlhabend. Der Kardinal hatte die Verpflichtung, seine Titelkirche auch finanziell zu unterstützen, was dazu führte, das Kirchen erhalten bzw. in der neueren Zeit auch wieder in Stand gesetzt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist Santo Stefano Rotondo, die Titelkirche des emeritierten Münchner Erzbischofs Friedrich Kardinal Wetters.

© Thomas Michael Glaw

Die meisten Kardinäle haben ganz normale Gemeindekirchen als Titelkirchen. Der Kölner Erzbischof Kardinal Wölki beispielsweise die Kirche San Giovanni Maria Vianney , weit außerhalb des römischen Autobahnrings in Borghesiana, der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Kirche San Corbiniano, eine junge Gemeinde, aber ebenso weit draußen und ebenso schwierig zu erreichen.

© Thomas Michael Glaw

Weitere Kirchen sind deutschen Kurienkardinälen zugeordnet. Die bedeutendste dürfe dabei wohl Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navona darstellen, die aktuelle Titelkirche von Kardinal Gerhard Müller.

Es kann durchaus spannend sein, die Wappen an den Kirchen genauer zu betrachten. Gegenwart und Vergangenheit mischen sich und die Rolle der katholischen Kirche als „Weltkirche“, ob man das nun mag oder nicht, wird einem dabei deutlich.

Traffico – Bazzecole #3

Feinstaub, Abgase, Dieselverbot .. in Deutschland redet man sich die Köpfe heiß. In Italien im allgemeinen und in Rom im besonderen sieht man das deutlich entspannter.

Der berühmte italienische Schriftsteller Alberto Moravia nannte Rom einst „ein hässliche Großgarage“ – unter uns: soviel hat sich da gar nicht geändert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit privater Verkehrsmittel beträgt in Rom beträgt etwa 15 km/h, die der öffentlichen Verkehrsmittel ( Taxis vielleicht ausgenommen 🙂 ) etwa 6 km/h.

© Thomas Michael Glaw

Am unangenehmsten – finde ich – ist der permanente Lärm. Meinen römischen Freunden scheint das nichts auszumachen. Mich stören nicht nur die Müllwagen, die irgendwann zwischen vier und fünf Uhr morgens auf den engen Straßen des Centro Storico die Tonnen leeren. Mich stört, ganz ehrlich, auch ein permanenter Lärmpegel von etwa 73 Dezibel. Rom gehört, egal wie die derzeitige Bürgermeisterin das zu erklären versucht, zu den am stärksten lärmverschmutzten Städten Europas.

Dieses Centro Storico ist etwa 14,5 Quadratkilometer groß. Darin leben etwa 148 000 Einwohner. Vier Fünftel davon in historischen Palazzi, die weder einen Hof noch eine Garage besitzen. Ihre Autos stehen deshalb in Zweier- oder Dreierreihen auf der Straße herum.

Das alles hätte auch ganz anders kommen können. Per Dekret wurde nämlich die römische Innenstadt am 2. Februar 1988 zur autofreien Zone erklärt.
Doch wirklich! Pfadfinderehrenwort!
Und dann?
Na ja. Natürlich gab es Ausnahmen. Wenn man zum Beispiel seine blinde, kranke Großmutter zum Arzt fahren musste. Dafür gab und gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Bolli heißen die Dinger in Italien. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele kranke, blinde Großmütter innerhalb der ersten Wochen nach dem Dekret in Rom aufgetaucht sind. Es gab Leute, die behaupteten, die Mafia hätte daraus ein Geschäftsmodell entwickelt.

© Doro Lubahn

Nun es kam, wie es kommen musste. Letztendlich bekommt heute jeder ein Bolli, der die einfachste Voraussetzung erfüllte: Er oder sie konnte den relativ hohen Preis bezahlen.
Und wenn ihr wissen wollt, wie so ein Ding aussieht: schaut einfach an die Windschutzscheibe eines beliebigen dort in dritter Reihe geparkten Wagens. Dort klebt nämlich mit großer Sicherheit eins.

Und was heißt das für euch? Ganz einfach. Kauft euch den Plan „Roma MetroBus“, sucht euch die passenden Busse heraus oder nehmt eine der nunmehr drei (!) römischen Metrolinien. Genießer nehmen die Tram und alle (!) halten dabei ihre Brieftaschen fest 🙂

 

 

Pane – Bazzecole #2

„pane, pane non fontane“ schimpften die Römer, als Papst Innozenz X eine extra Steuer zur Finanzierung der „Fontana dei Quattro Fiumi“, des Vier Ströme Brunnens, an der Piazza Navona erhob. Sie wollten lieber Brot zum Essen, als noch einen Brunnen. Die Steuer blieb, der Brunnen wurde trotzdem gebaut.

Noch heute ist Brot nicht nur für die Römer, sondern in ganz Italien, etwas besonderes. Ähnlich wie in Deutschland so gibt es auch hier über 400 regionale Brotsorten. Die Unterschiede zwischen dem Schüttelbrot aus Südtirol (Alto Adige) und einem Mafalda aus Sizilien sind gewaltig.

Was heißt das für euren Aufenthalt in Rom? Natürlich kann man Brot auch im Supermarkt kaufen. Aber wenn ihr  euch schon die Mühe macht, beim Metzger ein wenig Mortadella, Schinken (prosciutto), Salami (salume) oder Käse (formaggio) zu kaufen, dann solltet ihr auch eine Bäckerei (panificio), am besten eine handwerkliche Bäckerei, also einen echten Bäcker und keinen Backshop suchen. Der heißt dann panificio artigianale.

Es gibt viele davon in Rom, in den stark von Touristen frequentierten Gebieten allerdings weniger. Soll ich euch ein kleines Geheimnis verraten? Eine meiner Lieblingsbäckereien ist gar nicht so weit weg vom Campo dei Fiori. Sie heißt Antico Forno Roscioli, und in dieser Bäckerei wird seit 1824 Brot und mehr gebacken. Heute bekommt man dort auch „un pezzo di pizza“, also ein Stück Pizza. Die Auswahl ist reichhaltig , aber typisch für Rom sind eigentlich zwei „Brötchen“:

Die Rosetta, die in etwa aussieht wie eine bayerische Kaisersemmel und von der die Römer sagen : “La rosetta? Con la mortazza è la morte sua!”. Mortazza ist römischer Dialekt und bedeutet Mortadella. Der Spruch heißt also in etwa: Die Rosetta mit Mortadella schmeckt so gut, dass man sich daran fast tot essen kann.

Die andere Semmel, die fast schon ein Brot ist, denn sie wiegt so um die 100 Gramm, ist die Ciriola. Sie gilt als das römische Brot. Natürlich gibt es bei der Familie Roscioli (spricht man übrigens Roscholi) noch viele andere Sorten Brot. Einfach ausprobieren! Und wenn es mit dem Italienischen noch etwas hapert, lächeln und deuten – dann klappt’s schon.

Mehr Tipps zu Bäckereien gibt es in unsrem Führer VIVA ROMA

#Roma #Roma 2018 #Ministrantenwallfahrt

Sieben Hügel – Bazzecole #1

Wenn man, wie ich in München, mit Blick auf die Alpen sitzt, dann sind die sieben Hügel Roms tatsächlich ein bazzecola, also eine Kleinigkeit. In der italienischen Umgangssprache verwendet man „bazzecole“ um anzudeuten , dass etwas nicht schwer ist, eine Kleinigkeit, ein Klacks, sozusagen. Die kleinen Texte zu Rom , die wir hier veröffentlichen, sollen Appetit machen auf eine Reise nach Rom. Denjenigen von euch, die an der Miniwallfahrt 2018 teilnehmen, sollen sie Anregungen und Ideen vermitteln.

Aber zurück zu den sieben Hügeln. Mein alter Lateinlehrer legte größten Wert darauf, dass man die sieben Hügel kannte. Wer sie auf seine Frage hin nicht herunterrattern konnte, bekam eine schlechte Note. Obwohl ich das auch heute noch kann, antworte ich heute etwa zögerlicher, wenn man mich nach eben jenen Hügeln fragt. Warum? Steigen wir einmal auf einen hinauf, um uns die anderen anzuschauen. Am einfachsten geht das von Capitol – alternativ kann man auch auf die „Schreibmaschine“, das Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II, hochstiefeln. Dazu später mehr.

Auf dem Capitol steht man schon auf dem ersten der sieben Hügel. Eigentlich steht man sogar auf zwei Hügeln. Von der Aussichtsterrasse aus kann man nun mit etwas Fantasie die anderen sechs erkennen. Zunächst ist da der Palatin – im Altertum hieß er  Palatium – den ihr betretet, wenn ihr die Tour zu den Kaiservillen und dem Forum macht. Er liegt direkt rechts, also südlich vom Forum. Dahinter, also weiter südlich, befindet sich der Aventin. Es gibt eine tolle Aussichtsterrasse im Giardino degli Aranci dort oben und auch die Kirche Santa Sabina mit ihrem Schlüsselloch ist sehenswert. Wenn ihr geradeaus, also Richtung Westen, über das Forum schaut, seht ihr den Caelius, den Monte Celio, der hinter dem Colloseum aufragt. Aber was heißt schon aufragen! Keiner dieser Hügel ist viel höher als 50 m.

Wenn ihr nun an den linken Rand der Aussichtsterrasse geht und rechts an der „Schreibmaschine“, diesem grässlichen weißen Kasten, vorbeischaut, kann man dann ungefähr parallel im Nordosten die drei noch fehlenden Hügel Quirinal, Viminal und Esquilin erkennen.  Vom Viminal ist allerdings nicht mehr viel da, denn er wurde teilweise abgetragen, als Rom Ende des 19. Jahrhunderts stark erweitert wurde. Auf dem Quirinal befindet sich heute die Residenz des italienischen Präsidenten. Ein paar Jahrhunderte lang war es allerdings die Sommervilla der Päpste, die in den heißen, feuchten Sommermonaten gerne auf einen kleinen Hügel residierten.

Ich höre aber schon die Frage: Und was ist mit den anderen Hügeln. die ich so sehe? Nun zum einen existierte Rom lange Zeit nur südlich des Tibers. Auf der anderen Seite gab es nur Trastevere als römisches Stadtviertel. Der Gianicolo, von dem aus man heute einen schönen Blick auf Rom hat, gehörte also einfach nicht zu Rom. Der Vatikanshügel (von den man heute sowieso nichts mehr sieht) auch nicht und der Pincio, jener große Park, zu dem man von der Piazza del Popolo oder von der spanischen Treppe aus hochläuft, war auch außerhalb Roms.

Wenn euch jetzt einmal zufällig ein Römer fragen sollte, wie die sieben Hügel heißen, dann könnt ihr ihn bestens informieren. Die meisten Römer kennen die Hügel nämlich selber nicht 🙂

#VivaRoma #Rom 2018 #Ministrantenwallfahrt
Mehr zum Führer auf der Mediathoughts Website

Sommer in Rom

Wenn ich diesen Text schreibe, hat es draußen 31 Grad, die Luft scheint zu stehen vor dem Palazzzo und ich frage mich zum  x-ten Mal: warum kommen nur diese ganzen Touristen im Sommer nach Rom? Es ist heiß, die Luft steht in den Straßen, viele Bars, Geschäfte und Restaurants (zumindest die außerhalb der Altstadt und damit der Touristenzone) sind geschlossen …

Ich weiß ja, es sind Sommerferien und Rom lockt, aber trotzdem …

Nun also, was kann man unternehmen, wenn einem der Schweiß schon beim Verlassen des Hotels oder der Herberge auf der Stirn steht?

1. In Kirchen ist es kühl. Das mag nun ein wenig zynisch klingen,denn eigentlich geht man ja in eine Kirche um Gott zu finden, um zu beten, um Ruhe bei ihm zu finden. Eingefleischte Atheisten mögen lächeln, aber all das ist tatsächlich möglich 🙂

Santa Constanzia - Roma © Thomas Michael Glaw
Santa Costanza- Roma © Thomas Michael Glaw

Trotzdem kann man im Sommer auch die Kühle genießen, sich von der Baukunst und der Ausstattung begeistern lassen oder einfach Ruhe finden. Kirchen gibt es in Rom genug 🙂 – auf einige der interessantesten verweisen wir auch auf dieser Website. Besonders Santa Constanza möchte ich euch ans Herz legen … zum Seele baumeln lassen.

2. In vielen Parks kann man ein – verhältnismäßig – kühles Plätzchen finden. Besonders empfehlenswert sind Villa Celimontana  (Brunnen) und der Garten auf dem Aventin – mehr dazu in Roma Verde

Römische Parks - © Thomas Michael Glaw
Römische Parks – © Thomas Michael Glaw

3. Kühl ist es natürlich auch in Museen, und Rom hat davon ja auch genug. Hier ein kleiner Tipp für diesen Sommer: Unter dem Palazzo Valentini gibt es das Domus Romane di Palazzo Valentini. Wer Treppen steigen kann und keine Angst vor gläsernen Fußböden hat bekommt einen faszinierenden Einblicke in den römische Lebenswelt – garniert mit Multimedia Präsentation und einigen kleinen Spielereien. Am besten über das Web buchen und fünf Minuten vorher da sein sein. Die Gruppen sind relativ klein und die Führung dauert etwa 90 Minuten. Kühl ist es außerdem 🙂

Noch was? Ach, ja … alla spiaggia … der Strand ruft. Klar kann man

von Rom aus den Strand: 25 Minuten ab dem Bahnhof Roma Ostiense (Metro: Piramide) mit dem Zug. Die Züge fahren viermal pro Stunde, einfach bis zur Endhaltestelle sitzen bleiben. Wer sich einen leeren Strand erhofft, müsste allerdings entweder morgens um sieben da sein oder sich auf einen ein bis anderthalb Kilometer

Ostia - © Thomas Michael Glaw
Ostia – © Thomas Michael Glaw

Marsch Richtung Süden einstellen … und auch dort wird es nicht richtig leer. Baden ist in Italien eine Massenveranstaltung, außer man weiß was man tut, hat ein Auto und ist eher im Süden des Landes unterwegs.

 

Zum Schluss noch eine Bemerkung in eigener Sache. Viele hatten sich auf konkrete Reiseempfehlungen gefreut, die wir bis jetzt noch nicht publiziert haben. Wir sind immer noch in Verhandlungen mit unterschiedlichen Anbietern,  denn wir wollen euch ja eine Kombi aus richtig gutem Service und vernünftigen Preisen bieten. Wir treffen uns im August zu weiteren Gesprächen und hoffen euch im Herbst konkrete Ideen für eure Reise nach Rom vorstellen zu können.

Maggio – Mai in Rom

Mit dem Monat Mai beginnt endgültig wieder die Freiluftsaison in Rom. Endlich kann man wieder Picknick machen – in Italien immer noch überwiegend ein Familienevent, dessen kulinarische Genüsse, natürlich vorbereitet von Mama und Nonna, nichts zu wünschen übrig lassen.

Picknick im Park der Villa Borghese - © Thomas Michael Glaw
Picknick im Park der Villa Borghese – © Thomas Michael Glaw

Zum ersten Frühlingspicknick gehören in den meisten Familien sicher immer noch die „fave“ die dicken Bohnen und der Pecorino. So ein Picknick kann man in einem der vielen römischen Parks veranstalten, aber auch am Meer oder in den Bergen. Bergwandern, wie man es in Deutschland kennt, ist den meisten Römern allerdings zu anstrengend, zumal fast immer ein Haufen Kinderwägen dabei sind. Also auspacken, aufstellen, essen und trinken und … heimfahren:)

Der Tiber im Frühling - © Thomas Michael Glaw
Der Tiber im Frühling – © Thomas Michael Glaw

Kulturell beginnt der Mai immer mit einem riesigen Freiluftkonzert auf dem großen Platz vor der Kirche San Giovanni in Laterano. Veranstaltet wird es von den italienischen Gewerkschaften, es treten auch überwiegend italienische Bands und Sänger auf. Wenn man zu diesem Zeitpunkt in Rom ist, sollte man sich das einmal geben – man wird allerdings nicht allein sein: 100 000 Zuschauer sind keine Seltenheit. Und der Stau auf den Straßen Roms danach ist geradezu legendär 🙁

Generell spielt sich das Leben wieder mehr draußen ab, bis es die Römer dann im August wegen der Hitze, den Touristen und den Ferien ans Meer zieht. Es macht Spaß wieder bei den Buchhändlern

Buchhändler in Rom - © Thomas Michael Glaw
Buchhändler in Rom – © Thomas Michael Glaw

in der Nähe der Stazione Termini zu stöbern oder am Tiber entlang zu spazieren.

Diesen Mai kann man an drei Samstagen, am 9., 16. und am 23. jeweils um 10:30 die Villa dei Cavalleri di Malta besichtigen. Für Jugendliche kostet das 6 Euro und da man sonst quasi nur mit  Beziehungen reinkommt ist das eine gute Möglichkeit einmal bei den Maltesern vorbei zuschauen.

Im Augustusforum (foro di Augusto), und dieses Jahr zum ersten mal auch im Cäsarsforum (Foro Cesare) gibt es jetzt wieder abends die bekannten Multimediapräsentationen von Piero Angela zu sehen – übrigens auch auf deutsch. Wer 10 Euro übrig hat und Geschichte ein wenig hautnah erleben will, dem sei ein Besuch empfohlen

 

Pasqua

Ostern in Rom – da fallen einem Begriffe wie Pasqua (so heißt Ostern auf Italienisch), die Settimana Santa (wörtlich die „heilige Woche“ – so nennt man in Italien die Karwoche) und natürlich Pasquetta (das ist der Ostermontag auf italienisch) ein.

Zunächst  einmal ist die Stadt natürlich durch die Feierlichkeiten zum Osterfest selbst geprägt. Für alle Papstmessen sind die Karten allerdings schon von der Präfektur schon vergeben – hingehen kann man allerdings, wenn Papst Franziskus am Karfreitag den Kreuzweg im Kolosseum betet. Hierfür sind keine Eintrittskarten notwendig, man sollte allerdings früh da sein, sprich spätestens gegen 19 Uhr – um 21 Uhr geht es los. Die Meditationen hat dieses Jahr Renato Corti geschrieben, emeritierter Bischof von Novara und langjähriger Mitarbeiter von Carlo Maria Martini, dem ehemaligen Erzbischof vom Mailand. Persönlich freue ich mich auf seine Gedanken. Eine Übersicht über alle wichtigen deutschen und italienischen Gottesdienste gibt es beim Pilgerbüro.

Rom Petersplatz - © Thomas Michael GlawAch ja: zum päpstlichen Segen „Urbi et Orbi„, Ostersonntag um 12 Uhr auf dem Petersplatz braucht man keine Eintrittkarte, nur gute Nerven, Stehvermögen und keine Angst vor Massen.

An Pasquetta, sprich am Ostermontag, machen die Römer gerne in Picknick in den diversen Parks der Stadt. Wer keine Angst vor Massen hat sollte sich verproviantieren und es ihnen gleich tun – so man ein wenig englisch oder gar italienisch kann ergeben sich auch fast immer nette Gespräche.

Wer mobil ist oder sich mit den Bussen gut auskennt kann in den Park der Villa Gregoriana in Tivoli herausfahren, der dieses Jahr einmal ausnahmsweise zum Picknick geöffnet ist.

Die Museen sind der Karwoche geöffnet, an Ostersonntag und Ostermontag bleiben sie allerdings geschlossen.

Was gibt es noch? Na, beispielsweise das Festival der geistlichen Musik, das zum 18. Mal in der Kirche Santi Quirico e Giutitta stattfindet. Die Kirche ist etwa gleich weit von den Metrostationen Cavour und Colosseo entfernt, die Konzerte finden noch bin zum 12. April statt und Karten gibt es auch noch.

Ein gute Übersicht über sonstige Events findet sich bei Oggiroma.

Buon viaggio e buon divertimento a Roma!

 

Marzo

Auch in Rom ist es jetzt März, „Marzo“ auf italienisch.

In der italienischen Variante des Monatsnamens erkennt man deutlicher als im Deutschen den Ursprung: es ist der römische Kriegsgott Mars. Das hängt damit zusammen, dass im römischen Reich so um diese Zeit die „Feldzugsaison“ begann und die wehrfähigen Männer sich auf dem Marsfeld versammelten. Wenn es nicht zu militärischen Übungen oder Aufmärschen benutzt wurde, diente es als Schaf- und Pferdeweide. Da es bis zum Bau der Aurelianischen Mauern außerhalb der Stadtmauern lag, war das Marsfeld, sprich der Campus Martius der natürliche Ort für Empfänge ausländischer Herrscher und Botschafter, die die Stadt nicht betreten durften. Heute erkennt man das Marsfeld nur noch im Namen eine Stadtteils:  Campo Marzio  ist der IV. Rione (Stadtteil) und umfasst den Nordteil des ehemaligen „Campus Martius“ von der Spanischen Treppe bis zur Piazza del Popolo.

Das Wetter in Rom ist deutlich im März deutlich angenehmer als in vielen Teilen Deutschlands, der Schweiz oder Österreichs. Mit Temperaturen zwischen 15 und 17 Grad bei wenigen Regentagen beneide ich immer meine römischen Freunde, die bisweilen Selfies mit Espressotasse in ihren Lieblingscafés posten.

Wer gerne fotografiert, dem sei ein frühes Aufstehen und ein Spaziergang auf einen einen der Hügel empfohlen. Wer in der Stunde nach Sonnenaufgang vom Pincio oder dem Gianicolo aus Aufnahmen macht, wird mit einem herrlichen Licht und einer wunderbar klaren Atmosphäre belohnt. Ähnliches lässt sich im März auch mit der Investition von enigen Euro und ein wenig Puste beim Aufstieg auf die Kuppel der Peterskirche bewerkstelligen.

Der Strand von Ostia im Frühling - © Thomas Michael Glaw
Der Strand von Ostia im Frühling – © Thomas Michael Glaw

Wer mit dem Zug nach Ostia raus fährt kann zum einen Ostia Antica besichtigen ohne sich einen Hitzschlag zu holen und zum anderen an relativ leeren Stränden spazieren gehen oder einen Espresso an der Mole im Kreis von Italienern trinken, und, wenn er oder sie der Sprache mächtig ist, die neuesten Purzelbäume der italienischen Politik diskutieren.

Wen es trotz des frühlingshaften Lüftchen in Museen ziehen sollte, dem seien ein paar Ausstellungen ans Herz gelegt:

Ab 16.3. werden zahlreiche Werke Marc Chagalls im Chiostro del Bramante unter dem Titel „Love and Life“ ausgestellt. Es ist eine sehr poetische Ausstellung, die über 150 Werke des in Russland geborenen Künstlers präsentiert. Es ist Chagalls Inspiration durch seine Frau Bella Rosenfeld, die im Zentrum des Konzepts steht. Mehr dazu findet ihr auch auf der Web Site des Chiostro de Bramante – wie so oft in Italien nur auf italienisch.
Die Ausstellung „Le ragioni dello squardo„, also die Gründe des Blicks, sprich warum fotografiert man etwas, die auch einen Blick auf den Fotografen selbst wirft, im Granaio di Santa Prassede,  ist bis zum 22.3. verlängert worden. Wer gerne fotografiert, kann sich hier mit seinem Handwerk auseinandersetzen und Anregungen holen.