Pilgern / Titularkirchen – Bazzecole #4

 Eigentlich wollte ich ja endlich ein Bazzecole zum Thema Eis in Rom schreiben, aber bei dem Wetter … verschieben wir das lieber noch ein wenig. Ich möchte zunächst eine Frage aufgreifen, die mich diese Woche erreichte: warum ich denn nicht mehr über die Kirchen in Rom schriebe, wenn dies doch ein Führer für junge Pilger sei, fragte mich ein Leser. Nach Rom pilgern … wenn ich mit Jugendlichen darüber spreche, steht immer unausgesprochen die Frage „Das meinst du doch nicht etwa ernst?“ im Raum. Es gibt viele Gründe, nach Rom zu fahren. Atmosphäre, Altertümer, Geschichte, Glauben, Literatur, Musik … von Kneipen, Bars, Clubs und netten Leuten ganz zu schweigen.

Pilgern ist kein schlechter Grund. Ich wollte immer einmal zu Fuß nach Rom pilgern, um Italien einmal hautnaher zu erfahren, als das beim Reisen mit Bahn, Auto oder gar Flugzeug möglich ist. Geschafft habe ich es bis heute nicht. Und doch ist jede meiner vielen Reisen nach Rom immer auch ein wenig Pilgerfahrt, egal warum und wie ich reise, egal wen ich besuche, in welche Kirche ich gehe. Pilgern hängt auch mit dem zusammen, was im Pilger, in der Pilgerin vorgeht. Eigentlich mehr als mit allem anderen. Man pilgert nicht einfach irgendwo hin, man ist vor allem auf dem Weg zu sich selbst.

Unser Führer richtet sich an alle Jugendgruppen, die nach Rom reisen, egal aus welchen Gründen. Die Kirche spielt in Rom eine große Rolle, aber eben auch nur eine unter vielen. Trotzdem möchte ich euch heute auf eine kleine Besonderheit aufmerksam machen. Wenn ihr mit offenen Augen durch Rom lauft, werdet ihr an vielen Kirche Wappen entdecken. Diese verweisen meist auf den Papst oder einen Kardinal. Was sind die Gründe dafür?

Das Papstwappen prangt natürlich an den großen päpstlichen Basiliken in Rom. Neben dem Petersdom sind es Santa Maria Maggiore, San Giovanni in Laterano, San Paolo fuori le Mure und San Lorenzo. Sie sind von Alters her mit einem Papstthron und einem Papstaltar ausgestattet, an dem nur der jeweilige Papst zelebrieren darf.

Was hat es aber mit all den Kirchen mit einem Kardinalswappen auf sich? Jeder Kardinal hat eine sogenannte Titelkirche in Rom, zurzeit gibt es 164 davon. Zum einen soll damit die Verbundenheit dieser kirchlichen Führungskräfte mit Rom zum Ausdruck gebracht werden, zum anderen hatte es vor allem im Mittelalter und der frühen Neuzeit auch ganz praktische Gründe. Rom war nämlich nicht immer so groß wie heute und die Kirchen auch nicht immer so wohlhabend. Der Kardinal hatte die Verpflichtung, seine Titelkirche auch finanziell zu unterstützen, was dazu führte, das Kirchen erhalten bzw. in der neueren Zeit auch wieder in Stand gesetzt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist Santo Stefano Rotondo, die Titelkirche des emeritierten Münchner Erzbischofs Friedrich Kardinal Wetters.

© Thomas Michael Glaw

Die meisten Kardinäle haben ganz normale Gemeindekirchen als Titelkirchen. Der Kölner Erzbischof Kardinal Wölki beispielsweise die Kirche San Giovanni Maria Vianney , weit außerhalb des römischen Autobahnrings in Borghesiana, der Münchner Kardinal Reinhard Marx die Kirche San Corbiniano, eine junge Gemeinde, aber ebenso weit draußen und ebenso schwierig zu erreichen.

© Thomas Michael Glaw

Weitere Kirchen sind deutschen Kurienkardinälen zugeordnet. Die bedeutendste dürfe dabei wohl Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navona darstellen, die aktuelle Titelkirche von Kardinal Gerhard Müller.

Es kann durchaus spannend sein, die Wappen an den Kirchen genauer zu betrachten. Gegenwart und Vergangenheit mischen sich und die Rolle der katholischen Kirche als „Weltkirche“, ob man das nun mag oder nicht, wird einem dabei deutlich.

Traffico – Bazzecole #3

Feinstaub, Abgase, Dieselverbot .. in Deutschland redet man sich die Köpfe heiß. In Italien im allgemeinen und in Rom im besonderen sieht man das deutlich entspannter.

Der berühmte italienische Schriftsteller Alberto Moravia nannte Rom einst „ein hässliche Großgarage“ – unter uns: soviel hat sich da gar nicht geändert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit privater Verkehrsmittel beträgt in Rom beträgt etwa 15 km/h, die der öffentlichen Verkehrsmittel ( Taxis vielleicht ausgenommen 🙂 ) etwa 6 km/h.

© Thomas Michael Glaw

Am unangenehmsten – finde ich – ist der permanente Lärm. Meinen römischen Freunden scheint das nichts auszumachen. Mich stören nicht nur die Müllwagen, die irgendwann zwischen vier und fünf Uhr morgens auf den engen Straßen des Centro Storico die Tonnen leeren. Mich stört, ganz ehrlich, auch ein permanenter Lärmpegel von etwa 73 Dezibel. Rom gehört, egal wie die derzeitige Bürgermeisterin das zu erklären versucht, zu den am stärksten lärmverschmutzten Städten Europas.

Dieses Centro Storico ist etwa 14,5 Quadratkilometer groß. Darin leben etwa 148 000 Einwohner. Vier Fünftel davon in historischen Palazzi, die weder einen Hof noch eine Garage besitzen. Ihre Autos stehen deshalb in Zweier- oder Dreierreihen auf der Straße herum.

Das alles hätte auch ganz anders kommen können. Per Dekret wurde nämlich die römische Innenstadt am 2. Februar 1988 zur autofreien Zone erklärt.
Doch wirklich! Pfadfinderehrenwort!
Und dann?
Na ja. Natürlich gab es Ausnahmen. Wenn man zum Beispiel seine blinde, kranke Großmutter zum Arzt fahren musste. Dafür gab und gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Bolli heißen die Dinger in Italien. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele kranke, blinde Großmütter innerhalb der ersten Wochen nach dem Dekret in Rom aufgetaucht sind. Es gab Leute, die behaupteten, die Mafia hätte daraus ein Geschäftsmodell entwickelt.

© Doro Lubahn

Nun es kam, wie es kommen musste. Letztendlich bekommt heute jeder ein Bolli, der die einfachste Voraussetzung erfüllte: Er oder sie konnte den relativ hohen Preis bezahlen.
Und wenn ihr wissen wollt, wie so ein Ding aussieht: schaut einfach an die Windschutzscheibe eines beliebigen dort in dritter Reihe geparkten Wagens. Dort klebt nämlich mit großer Sicherheit eins.

Und was heißt das für euch? Ganz einfach. Kauft euch den Plan „Roma MetroBus“, sucht euch die passenden Busse heraus oder nehmt eine der nunmehr drei (!) römischen Metrolinien. Genießer nehmen die Tram und alle (!) halten dabei ihre Brieftaschen fest 🙂

 

 

Pane – Bazzecole #2

„pane, pane non fontane“ schimpften die Römer, als Papst Innozenz X eine extra Steuer zur Finanzierung der „Fontana dei Quattro Fiumi“, des Vier Ströme Brunnens, an der Piazza Navona erhob. Sie wollten lieber Brot zum Essen, als noch einen Brunnen. Die Steuer blieb, der Brunnen wurde trotzdem gebaut.

Noch heute ist Brot nicht nur für die Römer, sondern in ganz Italien, etwas besonderes. Ähnlich wie in Deutschland so gibt es auch hier über 400 regionale Brotsorten. Die Unterschiede zwischen dem Schüttelbrot aus Südtirol (Alto Adige) und einem Mafalda aus Sizilien sind gewaltig.

Was heißt das für euren Aufenthalt in Rom? Natürlich kann man Brot auch im Supermarkt kaufen. Aber wenn ihr  euch schon die Mühe macht, beim Metzger ein wenig Mortadella, Schinken (prosciutto), Salami (salume) oder Käse (formaggio) zu kaufen, dann solltet ihr auch eine Bäckerei (panificio), am besten eine handwerkliche Bäckerei, also einen echten Bäcker und keinen Backshop suchen. Der heißt dann panificio artigianale.

Es gibt viele davon in Rom, in den stark von Touristen frequentierten Gebieten allerdings weniger. Soll ich euch ein kleines Geheimnis verraten? Eine meiner Lieblingsbäckereien ist gar nicht so weit weg vom Campo dei Fiori. Sie heißt Antico Forno Roscioli, und in dieser Bäckerei wird seit 1824 Brot und mehr gebacken. Heute bekommt man dort auch „un pezzo di pizza“, also ein Stück Pizza. Die Auswahl ist reichhaltig , aber typisch für Rom sind eigentlich zwei „Brötchen“:

Die Rosetta, die in etwa aussieht wie eine bayerische Kaisersemmel und von der die Römer sagen : “La rosetta? Con la mortazza è la morte sua!”. Mortazza ist römischer Dialekt und bedeutet Mortadella. Der Spruch heißt also in etwa: Die Rosetta mit Mortadella schmeckt so gut, dass man sich daran fast tot essen kann.

Die andere Semmel, die fast schon ein Brot ist, denn sie wiegt so um die 100 Gramm, ist die Ciriola. Sie gilt als das römische Brot. Natürlich gibt es bei der Familie Roscioli (spricht man übrigens Roscholi) noch viele andere Sorten Brot. Einfach ausprobieren! Und wenn es mit dem Italienischen noch etwas hapert, lächeln und deuten – dann klappt’s schon.

Mehr Tipps zu Bäckereien gibt es in unsrem Führer VIVA ROMA

#Roma #Roma 2018 #Ministrantenwallfahrt