Via XX Settembre – Bazzecole #6

Straßennamen können viel über eine Stadt oder ein Land aussagen. Wer sich die Mühe macht, einmal diverse Datenbanken oder einfach Google Maps nach den italienischen Monatsnamen zu durchsuchen, wird auf 20 Tage im Jahr stoßen, die in unterschiedlichen Regionen Italiens als Straßennamen dienen. Was hat es mit diesen Tagen oder Daten auf sich? Wir haben für die Straßen Roms einmal etwas recherchiert:

Das früheste Datum im Jahr, das als Straße auftaucht, ist der 21. April. Es ist ein mystisches Datum, nämlich der Tag, an dem die Stadt Rom angeblich im Jahr 753 die Welt erblickt hat: Romulus und Remus gründeten Rom. Viele Jahrhunderte wurde der Kalender Roms nach diesem Datum ausgerichtet. Man zählte die Jahre nach Gründung der Stadt „ab urbe condita“.  Die Via XXI Aprile ist eine große Straße, die in die Nomentana, direkt hinter der deutschen Akademie, in der Villa Massimo verläuft.

Die nächste Straße im Jahreslauf ist dem 30. April gewidmet. Sie liegt in Trastevere und erinnert an den Tag der letzten Schlacht des zweiten Weltkriegs auf italienischem Boden.

Via XX Settembre – Roma

Der 20. September erinnert an die „Presa di Roma“, ein wichtiges Datum während der italienischen Befreiungskriege. Am 20. September 1870 wurde Rom eingenommen – unter rein symbolischem Widerstand und anschließender Kapitulation der päpstlichen Armee. Die Straße „Viale XX Settembre“ liegt im Herzen Roms und führt hinter dem Quirinal zur Via Nomentana.

Direkt neben der Piazza Venezia findet man die Viale IV Novembre. Der 4. November erinnert an die Schlacht bei Vittorio Veneto gegen Ende des Ersten Weltkrieges vom 24. Oktober 1918 bis zum 3. bzw. 4. November 1918.  Sie führte zum Waffenstillstand von Villa Giusti bei Padua und zur Niederlage Österreich-Ungarns im Krieg gegen Italien.

Sollten euch während eures Besuches weitere Straßen mit einem Datum als Namen auffallen, lasst es mich wissen (thomas @ mediathoughts.net). Vielleicht findet ihr ja sogar heraus, worum es sich bei dem Datum dreht.

Gelato – Bazzecole #5

Wo genau der Ursprung unseres heutigen Speiseeises liegt, weiß eigentlich niemand. Verschiedene Theorien verweisen auf China oder den islamischen Raum. Für die Italiener liegt der Ursprung selbstverständlich in Italien, genauer in Sizilien. Bereits im 9. Jahrhundert will man dort einen Vorläufer unseres heutigen Speiseeises gemischt haben, aus Früchten, Milch und Honig. Bereits früh wusste man, dass bei der Mischung von Wasser mit verschiedenen Salzen Kältemischungen entstehen, die Temperaturen weit unter 0 Grad ermöglichen.

Richtig populär wurde das Speiseeis im 18. Jahrhundert und kehrte dann aus Frankreich mit den zunehmenden Touristenströmen auch in das selbst ernannte Mutterland des Speiseeises, des „Gelato“, nach Italien zurück.

In Rom gibt es wahrscheinlich mehr Eisdielen als Kirchen, wir haben darum nur drei für dieses Bazzecole herausgegriffen. Weitere finden sich natürlich in unserem Führer Viva Roma !

Da wäre zunächst die Antica Gelateria Giolitti, die sich seit dem Jahr 1900 in der Via Uffici del Vicario 40 befindet. Seit 1960 gibt es auch einen Ableger in der Viale Oceania 90 im Centro EUR – deutlich weniger überlaufen, aber auch deutlich schwieriger zu erreichen.

Das ganze Angebot zu beschreiben würde, wie bei den folgenden zwei, den Rahmen dieses Bazzecole sprengen.

Die Gelateria della Palma, von der man in unseren kleinen Video einen Eindruck gewinnt, spielt etwa in der gleichen Liga wie Giolitti. Man bietet eine unglaubliche Sortenvielfalt (bis zu 150 ! ) , zur Hauptreisezeit ein unglaubliches Gedränge und die Qualität ist unglaublich gut.

Und dann gäbe es da noch den Palazzo del Freddo, der heute auch unter Gelateria Fassi firmiert. Seit 1880 ist er in der Via Principe Eugenio 65, und bei den Römern im allgemeinen und denen im Viertel San Lorenzo erfreut er sich ungebrochener Beliebtheit. Der Raum selbst verströmt den Charme einer mittleren Bahnhofshalle, aber das Eis ist sehr lecker und die Zahl der Touristen hält sich in Grenzen.

Ein ganz praktischer Tipp: In Italien muss man zuerst an die Kasse gehen und sagen, was man möchte, entweder über den Preis oder in Portionsgröße (piccolo, medio, grande), dann bezahlen und mit dem Bon, dem scontrino, anschließend sein Eis holen. „Kugeln“ oder so etwas gibt es in Italien nicht, auch wenn man in deutschen Foren bisweilen den Begriff „pallina“liest. Normalerweise sagt man: :Vorrei un cono/una coppetta con = Ich hätte gern ein Hörnchen / einen Becher mit (Anzahl der Geschmäcke)