Tour: Das alte Rom

Tour 1
Das alte Rom

Eine kurze Führung über Palatin, Forum Romanum und Kolosseum

Karten: (1) Übersicht (2) Palatin (3) Forum Romanum

Eintritt:
Unter 18 Jahren freier Eintritt gegen Vorlage des Schülerausweis (geht auch, wenn man als Gruppenleiter Tickets für die Gruppe holt)
Es ist ein Kombiticket Allgemeine Hinweise

Man kann alle drei historischen Stätten nur noch mit einem Kombiticket besuchen. Für EU Bürger unter 18 Jahren ist der Eintritt frei bei Vorlage eines Personalausweises oder eines internationalen Schülerausweises. Trotzdem muss sich jede/jeder noch eine Karte holen! Nur mit dem Ausweis kommt man nicht rein!

Nachdem die Touristenschlangen vor dem Kolosseum immer am längsten sind, empfiehlt es sich das Kombiticket an der Kasse in der Via di San Gregorio zu kaufen (siehe Plan 1)

Übersichtskarte Wegführung Palatin und Forum Romanum
Übersicht Weg Palatin und Forum Romanum © Thomas Michael Glaw

 

Metro B („Colosseo“) oder Tram Linie 3 Auf dem Weg zum Eingang geht man zunächst am Konstantinsbogen vorbei. Er ist der größte aller Triumphbögen in Rom und wurde zu Ehren Kaiser Konstantins errichtet. Früher gab es quasi für jeden erfolgreichen Feldherrn einen Triumphbogen; zu Konstantins Zeiten hatte man allerdings schon so viele in Rom aufgestellt, dass nur noch die Kaiser einen bekamen. Viele Bilder zeigen Szenen aus dem Leben Konstantins – aber wundert euch nicht, dass auch viele Reliefs das Lebens anderer Kaiser zeigen: Beim Bau ist den Römers das Geld ausgegangen und sie haben sich einfach bei anderen Triumphbögen oder Säulen bedient. Sprich sie haben geklaut!

Das Palatin (Monte Palatino)
Der Palatinshühel in Rom
Palatinshügel – © Thomas Michael Glaw

Wenn ihr euer Ticket in Händen haltet, geht es zunächst zum Palatinshügel rauf, einem der sieben (eigentlich waren es aber neun!) Hügel Roms. Früher konnte man von Forum direkt zum Palatin hochsteigen (was logischer wäre), wir müssen aber heute sozusagen beim kaiserlichen Rom beginnen.

Wenn ihr auf der langen Schleife nach oben lauft, werft bei der Kehre einmal einen Blick nach links: dort seht ihr was vom Circus Maximus, der größten „Rennbahn“ Roms noch übrig geblieben ist.

Detaillierter Weg Palatin / Kaiservilla
Detaillierter Weg Palatin / Kaiservilla © Thomas Michael Glaw

 

Stadion des Domitian

Das erste, was ihr oben seht, ist das Stadion des Domitian. Ob es dort jemals Spiele oder Rennen gegeben hat, wissen wir nicht. Vielleicht sind die Kaiser dort auch nur einfach spazieren gegangen.

Villa Augustana

Gleich daneben ist die Villa Augustana, der spätere kaiserliche Palast. Auch diese hat Domitian erbaut, aber irgendwo hier wohnte schon „der“ Augustus. Sein eigenes Haus ist jedoch zerstört. Die Römer waren schon immer gut darin Altes zu plündern um Neues zu bauen. Manche sagen. dass läuft auch heute noch so…

Erinnert ihr euch ans Weihnachtsevangelium? „In jenen Tages erließ der Kaiser Augustus den Befehl ..“

Palast der Flavier
Der Palast des Augustus auf dm Palatin
Kaiserpalast © Thomas Michael Glaw

 

 

Wenn ihr zum Palast der Flavier geht, kommt ihr zunächst an den Überresten eines tollen Brunnens vorbei, der das zentrale Element des Peristyl, einer Säulenhalle, ausmachte. Die Säulen muss man sich heutzutage allerdings vorstellen. Bei dem Autolärm fällt das zwar schwer: aber schließt einfach mal die Augen und stellt euch die Wagenrennen vor, die da unten stattfanden. Meist waren es Sklaven, die dort fuhren, denn die Rennen waren lebensgefährlich. Man konnte aber auch seine Freiheit „erfahren“ und sogar reich werden. Wie in der Formel 1. – Am vorderen Rand des Palatins könnt ihr noch einmal einen Blick auf den Circus Maximus werfen.

Haus der Livia

Auf dem Weg zum Forum kommen wir jetzt zunächst an den Überresten des Hauses der Livia vorbei. Livia war die Frau von „dem“ Augustus. Er selbst lebte sehr karg. Wenn er das Bedürfnis nach „Luxus“ hatte, besuchte er seinen Freund Maecenas, der eine tolle Villa auf dem Esquilin hatte. Wenn ihr in Richtung Colloseum schaut, blickt ihr in die richtige Richtung.
Für seine Frau jedoch kauft er im Jahr 36 ein schönes Haus, in dem man noch antike Wandmalereien bewundern kann – wenn es offen ist.

Haus des Romulus

Gleich daneben seht ihr das Haus des Romulus, eines der beiden sagenhaften Stadtgründer. Er lebte wohl in einer strohgedeckten Lehmhütte, von der wir noch die Löcher der Stützpfosten des Daches erkennen können.

Wisst ihr noch wann Rom gegründet wurde? Nein? 753 schlüpfte Rom aus dem Ei!.
Bevor wir zum Forum hinuntergehen, solltet ihr unbedingt auf die Aussichtsplattform gehen. Dort gewinnt man einen guten Eindruck, wie groß das Forum war, was einem bei den ganzen Ruinen und den vielen Leuten oft verborgen bleibt, wenn man wirklich darauf steht.

Palast des Tiberius

Zu einer richtig „noblen“ Wohngegend wurde das Palatin also erst unter Augustus Nachfolgern – viel ist davon nicht mehr zusehen. Wenn ihr zum Garten bzw. Palast des Tiberius vorgeht, sehr ihr allerdings links die Reste des Cripto Portico eines Ganges von Livias Haus bis zum Forum. Man kann noch einige Bodenmosaike des ca. 150 m langen Ganges erkennen.

Das Forum Romanum

 

Blick auf das Forum Romanum
Forum Romanum – © Thomas Michael Glaw

Eigentlich sind nur mehr Ruinen erhalten, viele Säulen (oder was davon übrig ist) und ein paar Mauern. Wenn ihr nach rechts schaut, seht ihr die Maxentius Basilica mit den runden Bögen. Links daneben stand das Haus der Vestalinnen Ganz links sieht man zwei weitere große Hallen: vorne die Basilica Julia, hinten die Basilica Aemilia. Gleich ein Wort zu „Basilica“: Im alten Rom waren das keine Bischofskirchen, sondern Räume, in denen Ausschüsse tagten, Anwälte ihrem Beruf nachgingen und sich jede Menge Rumtreiber mit Spiel und Spaß die Zeit vertrieben.

Jetzt gehen wir weiter, über die Treppen hinunter zum Forum Romanum.

Übersicht Weg Forum Romanum
Übersicht Forum Romanum © Thomas Michael Glaw

 

Titus Bogen
Forum Romanum - Titusbogen © Thomas Michael Glaw
Forum Romanum – Titusbogen © Thomas Michael Glaw

Wenn man, wie wir, vom Palatin her kommt, geht man zunächst am Titus Bogen (1) vorbei. Er wurde zu Ehren von Kaiser Titus im Jahr 81 n.Chr. errichtet. Titus hatte 70 n. Chr. einen Feldzug gegen die Juden in Palästina erfolgreich beendet, dafür bekam er einen Triumphzug und eben diesen Bogen. Auf dem Bogen seht ihr Szenen aus dem Feldzug, der siebenarmige Leuchter steht dabei immer wieder als Symbol für die von den Juden geraubten Schätzen.

Via Sacra

Wir biegen jetzt in die Via Sacra ein, die „heilige Straße“ im alten Rom. Auf ihr gelangte man nicht nur zu allen wichtigen Tempeln, auch die Triumphzüge nahmen diesen Weg.

Wenn ihr an ein heutiges Einkaufszentrum in der Vorweihnachtszeit denkt, bekommt ihr am ehesten einen Eindruck, wie es hier zugegangen sein muss.

Basilica Maxentia

Wir gehen zunächst rechts zu der Ruine der Basilica Maxentia (2), die wir schon von oben gesehen haben.
In der Antike war sie der größte bedeckte Saal. Die Bögen, die ihr noch seht, sind 24 Meter hoch, die Kuppel war wohl noch etwa 16 Meter höher.

Haus der Vestalinnen (3)

Wenn wir auf die Via Sacra zurückgehen, sehen wir als nächstes links das Haus der Vestalinnen (3) – oder was davon übrig ist. Es stehen wirklich nur noch ein paar Mauern und es bedarf einiger Fantasie um sich vorzustellen, dass hier die Priesterinnen des heiligen Feuers ihren Dienst versahen. Nur Mädchen aus den vornehmsten Familien wurden dafür ausgewählt. Ähnlich wie im christlichen Glauben eine Nonne, wurden sie für dreißig Jahre mit dem Gott Mars vermählt. Während dieser Zeit durften sie nicht heiraten und natürlich auch keine Kinder bekommen. Ihre wichtigste Aufgabe war das „heilige Feuer“ im Vesta Tempel zu hüten, das den Römern als Zeichen für den Fortbestand des Staates galt.
Am Neujahrstag, im alten Rom war das der 1. März, löschten viele Römer in ihren Häusern das Feuer und holten sich Neues vom „heiligen“ Feuer der Vestalinnen.

Augustusbogen

Der Weg führt uns dann am Augustusbogen und am Caesartempel (4) vorbei. Gegenüber seht ihr noch die runden Grundmauern des Vesta Tempels.

Caesartempel

Der Caesartempel steht an der Stelle wo Caesar ermordet wurde (Et tu, Brute?). Dieselben Leute, die ihn umbrachten, errichteten später an dieser Stelle den „Tempel des göttlichen Caesar“ und machten ihn damit zum Gott. Er war der erste Römer dem diese „Ehre“ zu Teil wurde.

Vorbei am Castor und Pollux Tempel (5), das sind die Säulen auf der linken Seite, gehen wir jetzt ins Zentrum des politischen Geschehens im alten Rom.

Basilica Julia (6)
Forum Romanum - © Thomas Michael Glaw
Forum Romanum – © Thomas Michael Glaw

Die vielen Säulenstümpfe auf der linken Seite gehören zur Basilica Julia (6) Sie war die größte Gerichtshalle Roms. Diese Basilika war 101 Meter lang und 49 Meter breit, also fast so groß wie ein Fußballfeld. Wenn ihr die Treppen genauer betrachtet, könnt ihr im übrigen noch die eingeritzten „Spielbretter“ der Rumtreiber erkennen …

Wer auf der Schule Latein hat, wird sicher irgendwann einmal die Reden Ciceros gegen Verres oder Catilina lesen – sie wurden in diesem Gebäude gehalten.

Basilika Aemilia

Wenn ihr euch umdreht, seht ihr die Basilika Aemilia. Das Gebäude galt in der Antike als eines der Schönsten überhaupt und war die Heimat der Geldwechsler.

Schon in der Antike haben also die Banken nicht schlecht „gehaust“ -> Boni

Rostra

Wenn ihr dem Weg weiter folgt, gelangt ihr zur Rostra. Was im Bundestag das Rednerpult ist, war im alten Rom eben jene Rostra: die Bühne für politische Redner oder diejenigen, die es noch werden wollten. Die Rostra war etwa 3 Meter hoch und 10 Meter lang. Sie war mit allerlei Säulen und Statuen dekoriert.
Der Name kommt von „rostrum“, d.h. Schiffsschnabel oder Bug, aus deren Balken die Plattform gebaut war.
Bogen des Septimius Severus
Bevor wir das Forum verlassen gehen wir – ja, noch ein Bogen – durch den Bogen des Septimius Severus und werfen noch einen Blick in die Curia (wenn sie offen ist). Hier tagte der Senat, auf den Stufen standen die Stühle der Senatoren, hier wurde „große“ Politik gemacht.

Wir verlassen jetzt das Forum.
Hier gibt es, bevor wir zum Colosseum zurückgehen, die Möglichkeit zu einem kleinen Exkurs.

Kirche San Giuseppe dei Falegnami –
mamertinischen Kerker

Quasi um die Ecke unter der kleinen Kirche San Giuseppe dei Falegnami – kann man gegen eine kleine Spende in ein düsteres, zur Kapelle umgestaltetes Loch hinuntersteigen.
Das waren die mamertinischen Kerker, in der Antike hießen sie allerdings noch Tullianum. Hier befand sich das römische Staatsgefängnis.

Wer in Geschichte aufgepasst hat oder Asterix gelesen hat, weiß, das hier die Führer vieler Völker, beispielsweise Vercingetorix, der Führer der Gallier, ihren Tod fanden.

Der Mamertinische Kerker in Rom
Der Mamertinische Kerker – © Thomas Michael Glaw

Es war jedoch auch das Gefängnis in dem der Heilige Petrus seinen Tod erwartete. Seinem Andenken ist die Kapelle San Pietro in Carcare gewidmet, in die der Kerker umfunktioniert wurde. Während seines zweiten Aufenthalts in Rom wurde er – so die Legende – während der neronischen Christenverfolgung im Gefolge des großen Brandes verhaftet und ins Tullianum verbracht. Neben dem Altar kann man eine marmorne Säule sehen, an die der Apostel angekettet gewesen sein soll. Die Ketten werden in San Pietro in Vincoli bewahrt. Die sog. Passio Lini, die Passionsgeschichte Petri, berichtet, Petrus habe seine beiden Wächter Processus und Martinianus bekehrt. Weil es ihm an Wasser zur Taufe mangelte, habe er aus dem steinernen Boden eine Quelle entspringen lassen.

Sollte euch der Hunger an dieser Stelle plagen: Die Pizzeria Massenzio (Siehe Karte 1) ist etwa fünf Minuten entfernt, das Essen ist gut und trotz der Nähe zum Touristischen Zentrum nicht so teuer.

Kirche „Quo Vadis“

Nach ihrer Bekehrung verhalfen die Wächter – so die Passio Procesi et Martiniani – Petrus zur Flucht. Dieser Legende verdanken wir eine kleine Kirche sowie ein Stück Weltliteratur und Filmgeschichte: Als Petrus die Stadt verlassen und schon gut eine Meile auf der Via Appia zurückgelegt hatte, erschien ihm Jesus. Petrus fragte: „Domine, quo vadis?“ (Herr, wohin gehst Du?), und Christus antwortete: „Venio iterum crucifigi“ (Ich gehe, um erneut gekreuzigt zu werden). Petrus war erschüttert, kehrte um und wurde im Circus des Nero kopfüber gekreuzigt. An der Stelle, an der die Begegnung stattgefunden haben soll, steht heute an der Via Appia die kleine Kirche „Quo Vadis“.

Henryk Sienkiewicz schrieb 1896 den gleichnamigen Roman und erhielt dafür den Literaturnobelpreis, und der Film aus dem Jahr 1951 machte Peter Ustinov (in der Rolle des Nero) zum Weltstar.

Das Kolosseum

Zum Kolosseum gehen wir jetzt außen am Forum entlang zurück. Das beeindruckenste am Kolosseum ist zweifelsohne seine Größe. Es ist 188 Meter lang und 156 Meter breit, es passen also etwa 4 Fußballfelder hinein.

Das Kolosseum in Rom
Kolosseum – © Thomas Michael Glaw

Das Kolosseum wurde nach der Ermordung Kaiser Neros durch seinen Nachfolger Vespansian errichtet.
Mit einer Höhe von 57 Metern ist es zudem 6 Meter höher als die Münchner Allianz Arena (hoffentlich wissen die Bayern Fans das).
„panem et circenses“
Für die Kaiser war es wichtig den einfachen Leuten „panem et circenses“, Brot und Spiele zu bieten. Diese „Spiele“ waren allerdings brutale Kämpfe zwischen Sklaven, Kriegsgefangenen, Verbrechern und wilden Tieren. Die Dimension dieser „Spiele“ war unglaublich. Am Tag der Einweihung im Jahre 80 n.Chr. wurden über 5000 wilde Tiere abgeschlachtet.
Um es zu finanzieren, führte er unter anderem eine Toilettensteuer ein und kommentierte das mit dem noch heute beliebten Spruch „pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht).
Wenn ihr ein Stück nach oben klettert, erkennt ihr in der Mitte die Gänge und Räume, die früher unter einem sandbedeckten Holzboden verborgen waren. Hier waren Tiere und Menschen untergebracht, die sich bald darauf in der Arena gegenseitig abschlachten sollten.

Erst im Jahr 404 n Chr wurde diese Kämpfe verboten.
Danach benutzten die Römer das Kolosseum überwiegend als Steinbruch… das kennen wir ja schon von Forum und Palatin.
Erst Mitte des 18. Jahrhunderts stoppte Papst Benedikt XIV den weiteren Raubbau und erklärte das Kolosseum zur Gedenkstätte für die in den Verfolgungen ermordeten Christen.
Bis heute findet die römische Karfreitagsprozession im Kolosseum statt, vielleicht habt ihr sie ja schon einmal im Fernsehen gesehen.

© Grafik und Text Dr. Thomas Michael Glaw

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