Tour: Rom per Tram

Zu den schönsten und im Vergleich zu Touristenbussen preiswertesten Möglichkeiten Rom mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden zählt nach wie vor eine Fahrt mit der Tram Linie 3.

Man muss nicht gleich die ganze Streckenlänge vom Bahnhof Piramide bis nach Valle Gulia abklappern. Auf einem Teil der Strecke kommt an bequem an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei.

In der Tram kommt man zudem mit dem „Roma vero“ dem wirklichen Rom mit seinen Typen, Ragazze, Mammas und allen anderen hautnah in Berührung – den Geldbeutel sollte man allerdings schon festhalten, denn auch Taschendiebe fahren gerne mal Tram.

Wenn ihr euch die ganze Strecke vornehmt geht da lässig ein halber Tag drauf; das schöne ist aber, dass man jederzeit ab- oder unterbrechen kann. Die Karte zeigt den ganzen Weg, beginnend an der Station Piramide, dorthin kommt ihr mit der Metro Linea „B“.

 

Pyramide & Stadttor

Bevor ihr euch die Tram schnappt werft erst einmal einen Blick auf das alte Stadttor und die Pyramide, die der Metrostation ihren Namen gegeben hat. Sie ist das Grabmal des Volkstribuns Gaius Cestius (Volksvertreter hatten offensichtlich auch damals schon gut Geld ..) Er war Ägyptenfan (das war im 1 Jahrhundert nach Christi ziemlich trendig) und ließ sich (angeblich in 330 Tagen) dieses 27 Meter hohe und 22 Meter breite Grabmal errichten. Das schönste daran ist nicht der teure Cararra Mamor sondern das dutzende von römische Katzen dort ihre Heimat gefunden haben.

Aufpassen beim streicheln auf den meisten dieser „Viecherl“ leben noch andere viel kleinere „Viecherl“.

Circus Maximus

Wenn die passende Tram dann kommt nichts wie rein, als erstes geht es Richtung Circus Maximus. Dort fanden zu den Zeiten der Kaiser die berühmten Wagenrennen statt, ihr könnt sie euch aus der Nähe ansehen, wenn ihr Palatin und Forum besucht (Tour 1). In dem Riesenkasten auf der rechten Seite sitzt die Verwaltung der FAO, der Welternährungsorganisation.

Auf der linken Seite seht ihr dann den Palatin(shügel) und das Forum, danach geht es dann am Colosseum vorbei.

Domus Aurea

Wenn die Tram dann am Kolosseum vorbei ist und eine scharfe Rechtskurve fährt (festhalten) seht ihr links den Colle Oppio. Heute sieht man das fast nur „grün“, aber zu Neros Zeiten stand da die Domus Aurea, das goldene Haus. Man hatte sie 1999 wieder ausgegraben, leider sind seit 2005 nur noch kleine Teile zugängig, weil ein großer Teil wieder eingestürzt ist. Rom …

Die Domus Aurea war die private Villa Kaiser Neros, eine Art Disneyland des Altertums mit einem riesigen künstlichen See, Miniaturstädten, künstlichen Viehweiden, Weinbergen und Wäldern. Die Wände waren mit Gold und Marmor verkleidet, am Eingang begrüßte einen eine 35 Meter hohe Bronzestatue des exzen­trischen Kaisers, die auf den Namen Kolossus hörte und nach der später, ja was wohl benannt wurde? Viel ist, wie gesagt, nicht mehr da, aber wer über ausreichend Fantasie verfügt und einen Einblick in die Macht und den Größenwahn des Kaiserreichs bekommen will, sollte sie besuchen und dazu an der Haltestelle Colosseo aussteigen.

Wenn ihr schon ausgestiegen seid könnt ihr gleich die Via Labicana ein Stück weiter laufen und die zweite rechts zur Via di Giovanni in Laterano nehmen. Jetzt beginnt nämlich unsere Kirchentour!

San Clemente

An der nächsten Ecke steht die Kirche San Clemente. Von außen sieht sie eher nach „nichts besonderem“ aus. Im Inneren findet ihr jedoch einiges, das es in Rom selten gibt.

Öffnungszeiten: 9 – 12:30 & 15 – 18 Uhr

San Clemente wird vom Dominikanerorden unterhalten, und es gibt eine ausgezeichnete Website (in italienisch und englisch)

www.basilicasanclemente.com

Ausgrabungen unter San Clemente

Eintritt in die Unterkirche: 3,50 € für Jugendliche unter 26 Jahre
In San Clemente kann man quasi eine Tour durch die Geschichte Roms machen. Zunächst kommt ihr in einen prächtig ausgestatteten Innenraum, der euch ins Mittelalter versetzt. Es gibt nur noch eine andere Kirche, wo das geht (Santa Maria in Cosmedin) denn, ähnlich wie in Bayern, wurden auch die meisten römischen Kirchen in der Renaissance bzw. im Barock modernisiert und dem Geschmack der Zeit angepasst. Am tollsten ist das Mosaik am Triumphbogen: es ist ein symbolischer Lebensbaum mit Kreuz.

Frühchristliche Unterkirche

Es geht aber noch weiter. Über eine kleine Treppe gelangt ihr zu einer frühchristlichen Unterkirche aus dem 4. Jahrhundert. Sie wurde von den Normannen zerstört und erst 1857 wieder ausgegraben. Hier kann man schon mal einen Moment innehalten, und an unsere Schwestern und Brüder denken, die vor mehr als 1600 Jahren unseren Glauben in viel gefährlicheren Zeiten geteilt haben. An den Wänden seht ihr Teile der Clemenslegende. Von Gott geblendet hielten seine Verfolger eine Säule für den Heiligen und versuchten sie wegzuschleppen. Die antreibenden Worte des Präfekten könnt ihr, wie bei einem Comic, lesen: „Fili de le pute, traite…“

Römisches Wohnhaus

Aber der Abstieg geht noch tiefer! Eine schmale Treppe führt noch ein Stockwerk tiefer, wo ihr ein veritables römisches Wohnhaus findet! Der interessanteste Raum ist dort ein sogenanntes „Mithräum“ (Mitreo), ein Raum in dem sich die Anhänger des Mithras Kultes versammelten, einer „Modereligion“ im Rom der Kaiserzeit. Durch eine moderne Öffnung in der Außenmauer betritt man die ausgegrabenen Räume des antiken Hauses des Titus Flavius Clemens. Am Ende der Raumabfolge erreicht man eine kleine Katakombe mit 16 Gräbern aus dem 5. Jahrhundert.

Man könnte jetzt zwar zur Tram zurückgehen und eine Station weiterfahren – einfacher und schneller ist es jedoch zu Fuß die Via di Giovanni in Laterano ein Stück weiterzugehen, denn dann kommt ihr nach San Giovanni in Laterano, der sog. Lateranbasilika – ein Muss!

Mit der Tram oder zu Fuß über die Via di Giovanni bis San Giovanni in Laterano

Piazza di Porta San Giovanni

Wenn ihr auf der Piazza di Porta San Giovanni angekommen seid fällt euch sicher der gewaltige Obelisk auf. Er ist der größte von 13 Obelisken, die in Rom „rumstehen“: 32,18 Meter. Ursprünglich stand er als Wendemarke für Pferderennen im Circus maximus.

Er wurde auf einem Spezialschiff nach Rom gebracht, dass von 300 Männern gerudert wurde (schreibt Ammianus Marcellinus)

San Giovanni in Laterano

Jetzt steht ihr vor der eigentlichen Bischofskirche des Bischofs von Rom. Das sei doch der Papst, meint ihr? Richtig, aber wenn er als Bischof von Rom unterwegs ist, dann ist nicht Sankt Peter, sprich der Vatikan, seine „Heimat“ sondern diese Kirche. Jeder Papst begibt sich nach seinem Amtsantritt in einem Festzug von Sankt Peter zu San Giovanni, um die Kirche quasi „in Besitz zu nehmen“.

Lateranpalast

Rechts daneben seht ihr den Lateranpalast – oder was noch von ihm übrig ist. Hier haben die Päpste bis 1309 gewohnt und gearbeitet.

Später wurde der Sitz des Papstes in den Vatikan verlegt weil er einfacher zu verteidigen war – denn das Leben der Kirche in Rom war nicht immer so sicher wie heute.

Konstantin Statue (5)

Wenn ihr die Kirche betretet seht ihr gleich auf der linken Seite ein großes Standbild von Kaiser Konstantin, dem römi­schen Kaiser, der als erster das Chris­ten­­tum annahm. Er schenkte der Kirche den Grund auf dem diese Kirche von 313 bis 318 gebaut wurde. Wenn ihr die Kirche betre­tet kommt ihr in einen großen drei­schiffigen Raum.

Warum dreischiffig? Die Kirche hat quasi drei Längs­hallen, getrennt durch Säulen – so eine Längshalle nennt man auch Längsschiff.

Schon von weit seht ihr das tolle Mosaik in der Apsis, dieser halbkreisförmigen Nische am Ende der Kirche.

Wenn ihr vorgeht werft mal einen Blick auf die zweite Säule von rechts. Das Bild, eigentlich ein Fresco, also der Künstler hat auf den nassen Putz gemalt, ist von Giotto und zeigt Papst Bonifaz VIII als er das Heilige Jahr 1300 ausruft.

Altar

Wenn ihr weiter bis zum Altar geht, steht ihr vor einem der ältesten Altäre in der Geschichte der Kirche. Der Altar ist heute vergoldet, aber innen befindet sich ein Holzaltar auf dem wohl schon der Hl. Petrus und die ersten Päpste die Messe gefeiert haben. Über diesem Altar werden in einem Ziborium, einer Art Baldachin, angeblich die Schädel von Petrus und Paulus aufbewahrt.

Mosaik über der Apsis

Das Mosaik über der Apsis zählt zu den schönsten und ältesten in Rom, es wurde um 450 herum gelegt. Für die Gläubigen dieser Zeit muss es ein großartiger Anblick gewesen sein – und ist es auch heute noch -, der Christus oberhalb des Kreuzes scheint einem auch heute noch ins Herz zu blicken.

Kreuzgang

So ihr noch Zeit und 2,50 Euro übrig habt, schaut euch den Kreuzgang an. Der Eingang ist ein wenig versteckt auf der linken Seite. Man kann entspan­nen und darüber nachdenken wie viele Menschen in den letzten fast 1800 Jahren schon in dieser Kirche ihren Glauben bekannt haben.

Scala Santa – Heilige Treppe

Wenn ihr San Giovanni wieder verlasst schaut nach links: dort seht ihr die berühmte Scala Santa, die „heilige Treppe“. Sie führt zur Capella Sancta Sanctorum, das war die Privatkapelle der Päpste, als sie noch vom Lateran aus regierten. Die Stufen dieser Treppe stammen angeblich vom Amtsitz des Pontius Pilatus und auf ihnen sind (auch wenn sie heute als Schutz gegen Zerstörung eingeholzt ist) noch Blutstropfen Christi zu sehen. Die Kirche gewährt jedem, der an bestimmten Tagen auf Knien die Treppe hochrutscht einen vollkommenen Ablass der Sünden.

Mittagessentipp:
Ich könnte mir vorstellen, dass ihr nach soviel Kultur langsam Hunger bekommt. In der Nähe der großen Pilgerkirchen sind die Pizzerien oder Osterias leider meist schlecht und/oder teuer. Aber nur ein paar Tramstationen von hier kommen wir in das Arbeiterviertel San Lorenzo, wo man gut und günstig essen kann. Und ihr sollt ja gestärkt zur letzten unserer Kirchen für diesen Rundgang pilgern.

Tram 3 unter den Bahngleisen durch, nach scharfer Linkskurve nächste Haltestelle aussteigen; Via dei Reti Nr. 40 „Osteria“ gut und preiswert.

Grab des Bäckers Eurysatos

Wenn ihr nichts essen wollt heißt es umsteigen, denn weiter geht es mit der Tram 5 oder 14. Einen Blick solltet ihr auf das Grab vor der Porta werfen. Als ich es das erste Mal sah, dachte ich, es wäre der Haupttresor der Bank von England. In Wahrheit ist es aber das Grab des Bäckers Eurysatos, der sich selbst mit einem Grabmal in Form eines Back­ofens ein Denkmal setzte. Arm kann er auch nicht gerade gewesen sein …

Santa Maria Maggiore

200 Meter neben dem „Hauptbahnhof“ von Rom findet ihr die letzte Kirche unseres kleinen Rundgangs: Santa Maria Maggiore.

Viele Römer sagen, Santa Maria Maggiore sei die schönste Kirche in Rom, nachdem ihr ja bei diesem Rundgang schon einige gesehen habt, könnt ihr euch ja eine eigene Meinung bilden.

Die Basilika ist die größte der über 40 Marienkirchen Roms, sie wird deshalb Maria Maggiore (die größere) genannt.

Legende

Der Legende nach verdankt die Kirche ihre Existenz dem sogenannten „Schneewunder“: Maria erschien in der Nacht auf den 5. August 352 dem römischen Kaufmann Johannes und seiner Frau und habe versprochen, dass ihr Wunsch nach einem Sohn in Erfüllung ginge, wenn ihr zu Ehren eine Kirche an der Stelle errichtet würde, wo am nächsten Morgen Schnee läge. Das Ehepaar begab sich daraufhin zu Bischof Liberius, welcher denselben Traum hatte. Am Morgen des 5. August sei die höchste Erhebung des Esquilinhügels weiß gefärbt von Schnee gewesen. Deshalb trägt diese Kirche bis heute auch das Patrozinium Santa Maria ad Nives (deutsch: Maria Schnee). Noch heute schneit es hier an jedem 5 August – der Schnee kommt allerdings mittlerweile aus Schneekanonen.

Der Glockenturm ist übrigens mit 75 Metern auch der höchste in Rom.

Da Santa Maria kaum umgebaut wurde könnt ihr auch hier den Charakter der frühchristlichen Kirchen gut nachempfinden. Es ist übrigens auch die einzige Kirche in der – angeblich – seit über 1500 Jahren täglich ein Gottesdienst stattfindet.

Wenn ihr noch Zeit und Lust habt, solltet ihr euch besonders die Mosaiken anschauen, besonders das in der Apsis (jetzt wisst ihr ja was das ist) auf dem die Krönung der Jungfrau Maria dargestellt ist. Die vierzig Säulen, die die Decke tragen, waren wohl „Bauschutt“ aus dem alten Rom. Das Gold an der Decke stammt angeblich von den ersten Schiffen, die aus Amerika zurück kamen. Ihr könnt hier auch die Gräber von einigen Päpsten finden: Honorius III. (1216–1227), Nikolaus IV. (1288–1292), Pius V. (1566–1572), Sixtus V. (1585–1590), Clemens VIII. (1592–1605), Paul V. (1605–1621) und Clemens IX. (1667–1669).

Und damit endet unsere „Trambahnrundfahrt“ – ihr habt jetzt zwei der vier Patriarchalbasilken Roms gesehen (San Giovanni in Laterano und Santa Maria Maggiore); die anderen beiden sind St. Peter (Infos findet ihr in der Tour „Vatikan und seine Museen“) und St. Paul vor den Mauern (Infos „weitere Kirchen“).

© Grafiken/Texte Dr. Thomas Michael Glaw

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